Storchennachwuchs

Diesmal nur ein Storchenkind in Bufleben
 Am Donnerstagnachmittag erleben die Steppkes im Kindergarten „Salinenknirpse“ in Bufleben etwas Aufregendes. Denn gleich nebenan ist die Berufsfeuerwehr Gotha mit ihrer Drehleiter angerückt. Aber es brennt nicht, sondern Christian Janik fährt die lange Leiter aus, damit Mario Hofmann vom Naturschutzbund des Kreises Gotha in Begleitung von Feuerwehr-Mitarbeiter Arne Wichert in dem Korb weit nach oben kommt – bis zum riesigen Nest auf dem Schornstein der ehemaligen Saline. Denn erneut hat ein Storchenpaar gebrütet, und Mario Hofmann will das Jungtier beringen. Diesmal erledigt er das gleich in luftiger Höhe. Vergangenes Jahr hatte er die damaligen zwei Jungstörche mit nach unten gebracht.

„Es hat auch diesmal noch ein zweites Storchenkind gegeben. Das ist allerdings im Mai gestorben und aus dem Nest geworfen worden. Die Kindergarten-Kinder haben den kleinen Storch begraben“, weiß Sebastian Berg, der das Geschehen am Donnerstag ebenfalls verfolgt. Wie viele andere Bufleber ist er eifriger Beobachter des Storchennestes. „Wir haben zum Glück in allen Orten des Landkreises, in denen es Storchennester gibt, solche begeisterten Anwohner, die uns dann auch über wichtige Ereignisse informieren, denn wir können ja nicht überall sein“, sagt Mario Hofmann.

Zusammen mit Thomas Lämmerhirt kümmert er sich für den Naturschutzbund um die Brutplätze der Weißstörche. Dieses Jahr hatten sich 14 Paare niedergelassen. „Vielerorts hatten wir nur ein Junge oder zwei Junge, selten drei – wie in Wechmar – oder vier wie in Waltershausen“, sagt der Storchenexperte. Nicht nur in Bufleben sei Nachwuchs gestorben. „In Ernstroda wurden die Eier gar nicht ausgebrütet, in Hörselgau haben wir wie in Schwabhausen zwei tote Jungtiere gefunden.“ Ursache könnten Futtermangel oder Krankheiten sein.

Das vierte Jahr in Folge auf dem Saline-Schornstein
In Bufleben gab es 2019 die erste erfolgreiche Brut. „Seitdem haben wir hier sieben Jungstörche beringen können“, berichtet Mario Hofmann. Weil immer wieder Störche durchs Dorf geflogen waren, hatte die Freiwillige Feuerwehr Bufleben schon 2013 ein Nest auf dem Salinen-Schornstein vorbereitet. Das wird nun das vierte Jahr erfolgreich genutzt.

Doch die Störche hätten es mit dem Nestbau inzwischen etwas übertrieben. Das Geflecht aus Ästen und anderem Material stand auf einer Seite deutlich über. Da bestehe die Gefahr, dass es abkippen könne, so Hofmann. Deshalb hat er beim Hochfahren auch eine Axt dabei und beseitigt das überhängende Stück. „Das beeinträchtigt die Störche nicht“, versicherte er. Unten stehen Jörg Illhardt und Frank Bech vom Bauhof der Gemeinde Nessetal bereit, um das abgetrennte Nestmaterial wegzuräumen.

Alle Jungstörche bekommen übrigens je zwei Ringe – am rechten Bein einen aus Metall und am linken Beinen einen gelben Kennring, der sich auch per Ferngas gut ablesen lässt. „Beide sind mit der Nummer für das jeweilige Tier versehen“, so Hofmann. Außerdem ist Hiddensee und Germany auf die Ringe geprägt, „weil die Vogelschutzwarte Hiddensee als Beringungszentrum für die ostdeutschen Bundesländer zuständig ist und dort alle Daten gesammelt werden“.

Quelle: Text und Bilder Thüringer Allgemeine vom 18.06.2022  Claudia Klinger